Call for Paper

Zu spät

Beim Driburger Kreis 2022 in Erfurt wurde das Rahmenthema für die nächste Tagung im September 2023 in Ingolstadt gewählt: “Zu spät”.

Der Call for Paper für den Driburger Kreis folgt im März 2023.

Außerdem wollen wir in diesem Jahr ein Panel auf der GWMT-Tagung einreichen. Mehr dazu weiter unten.

Call for Paper

Driburger Kreis Panel auf der GWMT-Tagung

Der Driburger Kreis tagt als selbstständiges Early Career Network der deutschen Wissenschaftsgeschichte traditionell mit eigenem Rahmenthema unmittelbar vor der Jahrestagung der GWMT. Im kleineren Kreis stehen bei uns der intensive Austausch mit anderen Early Career Wissenschaftshistoriker*innen vom Studium bis zum Postdoc und die Möglichkeit erste Erfahrungen bei Tagungen zu sammeln im Vordergrund. In den letzten Jahren kam vermehrt der Wunsch seitens der GWMT-Tagungsteilnehmer*innen auf, ebenfalls Einblick in die Inhalte der DK-Tagung zu erhalten und den Austausch mehr zu fördern.

Bei der diesjährigen Tagung in Ingolstadt wollen wir daher die Gelegenheit nutzen und ein DK-Panel für die GWMT-Tagung (13. bis 15. September) einreichen, das unser Rahmenthema „Zu spät“ aufgreift. Das Panel umfasst 3 bis 4 Vorträge à 20 min (bei 3 Vorträgen schließt sich ein ausführlicherer Kommentar mit Diskussion zu den Vorträgen an). Es wird von Alexander Stöger geleitet, der das Tagungsthema vorgeschlagen hat. Es können Vorträge zu Projekten in allen Arbeitsphasen eingereicht werden.

Die Vortragenden würden außerdem am Driburger Kreis (12. bis 13. September) als Gäste teilnehmen, aber dort nur ebenfalls vortragen, sofern sie das wünschen und noch Plätze frei sind. Im Nachfolgenden findet sich eine für das Panel angepasste Version des Rahmenthemas „Zu spät“. Für den Driburger Kreis folgt der Call for Paper im März. Sofern wir mehr Einsendungen haben als Platz im Panel ist, können wir die Einsendungen automatisch als Einsendungen für den Driburger Kreis aufnehmen, falls gewünscht (dann bitte im Abstract angeben).

Panelthema „Zu spät“

Zeitlichkeit ist die omnipräsente und daher womöglich häufig auch übersehene Säule der Wissenschaftsgeschichte. Die jüngste Prominenz von Themen wie dem Anthropozän oder der Frage nach der Adäquatheit von Zeitbegriffen wie „Mittelalter“ und „Moderne“ zeigen, dass die Wissenschaftsgeschichte nicht nur darum ringt, Wissenschaft zu begreifen, sondern auch Zeit. Hinzu kommt, dass Zeitlichkeit selbst in der Wissenschaft immer präsent war, etwa wenn es um Prioritätsstreitigkeiten ging. Die häufig leidenschaftlich diskutierte Frage, wer eine wissenschaftliche Leistung als erste*r vorweisen konnte, zeigt, dass Zeit und Verzeitlichung weit über den temporalen Aspekt hinausreichen.

Die Zweiten hatten und haben dabei meist das Nachsehen. Zu spät im Rennen um Anerkennung, Recht oder wissenschaftlichen Erfolg, verschwinden sie in den Fußnoten der Geschichte und ihre Ansätze verblassen angesichts der vermeintlich einzigen Lösung der Ersten.

Die Beiträge in diesem Panel sollen sich kritisch mit Zeit und Zeitlichkeit in der Wissenschaftsgeschichte auseinandersetzen und dabei einen Blick auf diejenigen werfen, deren Timing sich negativ auf ihre Arbeit und Anerkennung ausgewirkt hat. Sie hinterfragen Narrative von „Pünktlichkeit“ oder „Gewinnertum im Rennen um die Lösung“ und zeigen anhand unterschiedlicher Fälle aus der Geschichte, welche neuen Erkenntnisse ein Perspektivwechsel hin zur temporalen Peripherie und den Verdiensten derer bringen können, die zu spät waren.

Willkommen sind 20-min Beiträge, es gibt keine zeitliche oder geografische Einschränkung. Sende uns Dein Abstract von max. 250 Wörtern bis zum 10. Februar an info@driburgerkreis.de mit dem Betreff „GWMT Panel“. Füge außerdem eine Kurzbiografie (Name, Heimatinstitution, einen bis zwei Sätze zu Deinem aktuellen akademischen Stand und der Verortung des Vortragsthemas, ggf. ob Dein Vortrag auch als Beitrag bei der DK-Tagung Berücksichtigung finden soll) bei. Weitere Informationen zu Abstracts und Vorträgen findest Du hier.

Frösche

Von Alexander Stoeger (Leiden) & Rebecca Mossop (Luxemburg)
Der Frosch lässt sich nur schwer aus der Menschheitsgeschichte wegdenken. Kulturwissenschaftlich betrachtet ist der bunte Hüpfer ein Phänomen konstanter Ambivalenz. Er kommt in nahezu allen Teilen der Welt vor und hat stets in der Nähe des Menschen gelebt, ohne je in den Status eines Haus- oder Nutztiers im engeren Sinne erhoben worden zu sein. In religiösen, literarischen und künstlerischen Überlieferungen ist er ein regelmäßiger, aber unbestimmter Gast, von der Plage im Alten Testament über den verzauberten Märchenprinzen bis hin zum verwandelten Gott.

Auch den Naturwissenschaften und ihren Vorläufern ist das resiliente Amphib ein bekannter Begleiter mit einer wechselhaften Bedeutungsgeschichte. So galt der Frosch in mystischen Interpretationen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit als Begleiter oder Zutat magischer Unternehmungen, war in der Medizin bis ins 18. Jahrhundert auf kuriose Weise mit dem Uterus assoziiert und wurde schließlich zum favorisierten Versuchstier im europäischen Labor des 19. Jahrhundert oder zum Meteorologen im Wetterglas. Seit den 1970ern steht der Frosch als Symbol für umweltfreundliche Verfahren oder Umweltschutz zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, was sein allgemeines Image signifikant verbessert hat. Selbst in Geräten und Verfahren, die sich auf den ersten Blick kaum mit dem grünen Tier assoziieren lassen, wie Grubenlampen oder Quarks-Teilchen, finden sich Verbindungen, die eine Brücke schlagen zu der mannigfaltigen Geschichte des Frosches und seines Verhältnisses zur Menschheit.

Die Kultur- und Wissenschaftsgeschichte des Frosches ist vielschichtig und verspricht reiche Erkenntnisse über die Bereiche, Wertvorstellungen und Praktiken, deren Teil das Tier direkt oder indirekt im Laufe der Jahrhunderte war und bis heute ist. Im diesjährigen Driburger Kreis soll daher der Frosch zwar nicht als Untersuchungsgegenstand im Mittelpunkt stehen, aber als epistemisches Objekt den Fokus auf das Verhältnis von Wissensgewinn und Forschungsobjekt werfen. Es gilt dabei zu fragen, wie Forschung und Forschungsanwendung im metaphorischen oder tatsächlichen Beisein des Frosches im weitesten Sinne stattgefunden haben, wie das Tier damit assoziiert wurde und welche Funktion es dabei einnahm. Der Frosch als epistemisches Objekt ist hier in einer weiten Bedeutung, sowohl als Tier wie auch als semantisches Konzept zu verstehen. Mögliche Perspektiven, aus denen man sich dem Thema nähern könnte:

  • Welche Rolle kamen und kommen Fröschen und anderen Tieren als Versuchstiere in Experimenten zu?
  • Wie prägte das Verhältnis des Anders- oder Gleichartigen die Rolle des Frosches beim Wissensgewinn?
  • Wie schuf und schafft Wissenschaft Bedeutungsverschiebungen, wie sie zum Beispiel für den Frosch im 19. Jahrhundert vom mystischen Wesen zum neutralen Laborobjekt stattgefunden haben?
  • Wo finden sich ‚Frösche‘ in der Wissenschaft, wo gar keine mehr sind? Und wie(so) wurden sie dort abgelöst?
  • Wie lässt sich die tierethische Dimension der Naturwissenschaften, Medizin und Technik anhand des Frosches und anderer Versuchstiere nachzeichnen?
  • Inwiefern diente der Frosch als Vorbild technischer Konstruktionen, Maschinen oder Verfahren? Welche Funktion nahm er dabei ein? Wie schlägt der Frosch damit die Brücke zwischen epistemischer Praxis und kulturellen Gedankenguts?

Das Tagungsthema ist explizit weit gefasst und zielt darauf ab, verschiedenste Aspekte und Perspektiven der Geschichte der Naturwissenschaften, Medizin und Technik unter den einen „Frosch zu bringen”.

Abstracts von einer Seite für ca. 15-minütige Vorträge nebst Kurzlebenslauf (zusammengefasst in einem pdf) werden erbeten bis zum 1. Juli 2022 an Alexander Stöger. Weitere Informationen zu Abstracts und dem Format des Driburger Kreises finden sich hier.
Für Beitrag und Diskussion sind insgesamt 30 Minuten angedacht.